Telefunken-Presse von 2002
"WOM Journal", 9 / 2002:
HILDEGARD KNEF
Hildegard Knef Singt Cole Porter
Hildegard Knef In Concert
(Warner)
Drei Minuten dreiundfünfzig Sekunden Orchestersolo, bevor die Künstlerin ans Mikro tritt. Nicht Ella, Billie, Aretha, sondern eine Deutsche. Unschwer zu raten, die einzige eben, der solche Ehren auf einer Bühne zuteil wurde: Die Knef. Beim Konzert 1968, mit dem Orchester Kurt Edelhagen, einer festen Bank. Hummer und Austern, die sind ihr ein Graus, sie isst viel lieber Bouletten zuhaus. Sang sie damals, kann sogar wahr sein, aber dennoch: Weltstar. Allein auf weiter Flur.
Oft ist nach dem Warum gefragt worden, öfter und öfter sagten Menschen vor Kameras Dinge wie “Ich sah sie damals auf der Bühne, ich verstehe die Frage nicht”. Wir sagen das seit kurzem auch. Haben all die seltsamen Geschichten ihrer Allüren und die furchtbaren TV-Auftritte zu Zeiten, da sie besser zur Schonung daheim geblieben wäre, vergessen oder doch verdrängt und uns auf die Suche gemacht. Jetzt endlich wird man fündig, jetzt endlich hat man den Mythos der Knef auf einer Bühne zumindest teilweise zurück zu den Fans gebracht, auch zu den zukünftigen übrigens, deren Zahl wir höher als geahnt einschätzen möchten.
Aus den Jahren 1966 und ’68 stammen die Aufnahmen der Doppel-CD HILDEGARD KNEF IN CONCERT, und seit die Nazis deutsche Liedkultur mit Knobelbechern nieder getreten hatten, wurde wohl kein Album mehr mit schöneren Parallelen zum Berliner Lied der Zwanziger aufgenommen. Frivol, humoristisch, melancholisch, bedenkenswert, klug und amüsant sind die Songs der Knef, sind dabei gleichsam Jazz aus der Bigband-Ära und doch intim.
Und auch als Interpretin von Cole Porter Songs, in dessen Musical “Silk Stockings” sie 1955 am Broadway Triumphe feierte, kann die Knef überzeugen. Wenn “I Get A Kick Out Of You” auch ein wenig uneleganter “Nichts haut mich um - aber Du” heißt, so muss sich die singende Sünderin doch hinter niemanden verstecken. Hat sie eigentlich niemals gemusst, dachten bloß immer so furchtbar viele Leute. Schade nur, das Hildegard erst zu Grabe getragen werden musste, bevor diese herrlichen Aufnahmen auf CD gebrannt wurden.
Stefan Krulle
"Musikexpress" Nr. 9, September 2002:
HILDEGARD KNEF
Singt Cole Porter
In Concert
(Telefunken / Eastwest)
Chanson: Meisterlich kompilierte Knef-Fundstücke aus den Archiven.
“Das war ein Lied meiner alten Liebe, Cole Porter, nun folgt ein Lied meiner zweiten Liebe, John Lennon und Paul McCartney”, leitete die Knef bei einem Konzert 1966 in Hamburg zu einer Version von “Yesterday” über und fasste damit auch prophetisch zwei jetzt parallel neu aufgelegte Editionen ihrer Albenklassiker zusammen. HILDEGARD KNEF SINGT COLE PORTER ***** nennt sich das erste, eine um 13 Titel erweiterte Ausgabe eines 1968 erschienenen Albums, das damals den Titel TRÄUME HEISSEN DU trug. Mit brüchig-rauchiger Stimme interpretierte das im Februar 2002 verstorbene Multitalent zwölf Porter-Originale (u. a. “Sei mal verliebt”, “Ich bin leider viel zu faul”) in deutschen Übersetzungen. Mit dem legendären Komponisten war die Knef eine Dekade zuvor schon in den USA in Kontakt gekommen und seither mit ihm befreundet. Am Broadway gab sie von 1955 bis 1957 insgesamt 775 Vorstellungen im Musical “Silk Stockings”. Aus jenem Renner stammen vier Songs. Weitere drei englisch gesungene Porter-Aufnahmen von 1959 bis 1969 rekrutieren sich aus dem umfangreichen, von Labelhüter Wolfgang Michels gesichteten Teldec-Archiven. Für die Doppel-CD IN CONCERT ***** koppelte Michels zwei in den deutschen Hitlisten sehr erfolgreiche Konzertmitschnitte: DIE NEUE KNEF - TOURNEE LIVE erschien 1966 auf dem ersten Höhepunkt ihrer Sangeskarriere. Viele ihrer Chansons (u. a. “Ich fühl mich schuldig”, “Ich brauch kein Venedig”) textete die Knef selber. Dass sie sich weiterentwickelt hatte, beweist CD zwei: Finden sich doch unter den 25 Songs des 1968 als Vinyl-Doppel-LP erschienenen KNEF CONCERT autobiografische Kabinettstückchen wie “Von nun an ging‘s bergab”, “Für mich soll’s rote Rosen regnen” und “Halt mich fest”.
Mike Köhler
"Neue Musik Zeitung", Nr. 9 September 2002:
Wer eher auf die “alte” Knef steht, dem seien zwei Wiederveröffentlichungen aus ihrer “Telefunken”-Zeit ans Herz gelegt: “Hildegard Knef in Concert” und “Hildegard Knef singt Cole Porter” (Warner Strategic Marketing). Die erste (Doppel-)CD präsentiert zum ersten Mal ihre beiden Live-Platten aus den Sixties digital remastered. Neben ihren Hits wie den “Roten Rosen” finden wir darauf auch rare Chanson-Perlen von Friedrich Gulda oder Max Colpet. Kongenial begleitet wird sie dabei von den Orchestern Günter Noris und Kurt Edelhagen. Unter dem seltsamen Titel “Träume heißen Du” wurde 1968 die deutsche Cole-Porter-Collection veröffentlicht. Produzent Wolfgang Michels hat diese nun mit weiteren Porter-Songs (auch aus Knefs Broadway-Hit “Silk Stockings”!) und Klassikern des “American Songbooks” ergänzt. Wer “Nana Mouskouri in New York” geliebt hat, sollte auch in diese CDs hineinhören. Nie klang die Knef jazziger.
Viktor Rotthaler
"Berliner Morgenpost", 18. August 2002:
CD-Tipp:
Hildegard Knef: «...singt Cole Porter» (Telefunken/Warner) Ist ein Star erst einmal tot, wird sein Werk gefleddert. Das führt im Falle von Hildegard Knef zu so Grauen erregenden DJ-Projekten, wie sie derzeit als «The Reform Sessions» kursieren, oder zu so erfreulichen Wiederveröffentlichungen wie «Hildegard Knef singt Cole Porter». Dafür hat man nicht nur die zwölf von Mischa Mleinek übersetzten Cole-Porter-Songs, die 1968 auf der LP «Träume heißen Du» erschienen, aus dem Archiv geholt und digitalisiert, sondern gleich noch 13 (!) Bonussongs auf die CD gepackt, darunter vier Titel aus Porters letztem Musical «Silk Stockings», in dem die Knef 1955 als Ninotschka am Broadway Erfolge feierte.
pem
“Gala” Kulturnews, 22, August 2002:
Die Swingerin
Wieder gefunden und aufgefrischt: Jazz à la HILDEGARD KNEF
Ein schöner Job, sich durch die Musikarchive zu wühlen wie Produzent Wolfgang Michels. Nach langer Recherche fand er die Originalbänder von Hildegard Knefs jazzigen Ausflügen in den Sechzigern. Unter dem Titel “Träume heißen Du” nahm sie damals ein Album mit deutschen Versionen von Cole-Porter-Songs auf sowie einige Lieder aus seinem Broadwaymusical “Silk Stockings”. Außerdem interpretierte sie Weill und Gershwin. Michels digitalisierte 25 Stücke und presste sie auf eine CD. Eine wunderschöne alte Neuentdeckung. “Hildegard Knef singt Cole Porter” (WARNER)
"Cosmopolitan" Nr. 9, September 2002:
Fundstücke
Mancher wird ja erst nach seinem Tod zur Legende. Aber wenn Hildegard Knef jetzt gefeiert wird, ist es ein Schwelgen in Erinnerungen an ihre große Zeit. Als Sängerin war das in den sechziger Jahren, wie zwei Wiederveröffentlichungen zeigen: “In Concert” ist ein erstaunlicher Live-Mitschnitt von 1968. Ihre unbekanntere Seite als Jazz-Interpretin offenbart “Hildegard Knef singt Cole Porter”.
"Aol.com", Entertainment / Musik:
Für viele ist die Anfang des Jahres verstorbene Hildegard Knef schon lange ein Phänomen. Ihre Aussagen, ihre Stimme und ihre subtile Interpretationskunst waren und sind zeitlos.
Was den musikalischen Output der Knef angeht, hatte sie in den 60-er Jahren ihre absolute Hochzeit und genau aus dieser Zeit stammen die beiden Alben, die jetzt über Warner wiederveröffentlicht werden. "Hildegard Knef singt Cole Porter" dokumentiert ihre enge und besondere Beziehung zu dem Komponisten. "Hildegard Knef in Concert" dokumentiert zwei ihrer erfolgreichsten Tourneen in den Sechzigern.
[singt Cole Porter:] Bis heute haben die Songs der Knef nichts von ihrer Magie verloren. Auch anno 2002 besticht die reizvolle Mischung aus dieser "Hoppla, jetzt komm ich"-Haltung und der gebrochenen Melancholie, die die Knef mit Künstlern wie etwa Alexandra oder auch Serge Gainsbourg teilt.
[in Concert:] "Wenn die Knef singt, merkt man kaum, dass sie atmet. Und ihre Stimmbänder rascheln dabei, als durchschreiten ihre Gedanken einen Perlenvorhang. Eine Frau, die weiß, was sie singt." Dem ist auch 35 Jahre später nichts hinzuzufügen. Ein absolutes Klassiker-Album - zeitlos, elegant, wahrhaftig.
(ins)
"Amazon.de-Redaktion":
Trümmer-Girl und Broadway-Baby -- für ihre Fans wird Hildegard Knef immer lebendig bleiben. Nicht zuletzt durch ihr legendäres Album aus den 60er-Jahren, das nun erstmalig auf CD erscheint: Hildegard Knef singt Cole Porter.
Schallplattensammler haben sie eifersüchtig gehütet, die Original-LP Träume heißen Du , so der damalige Titel des Cole-Porter-Albums von Hildegard Knef. 28 Wochen hielt es sich auf den vorderen Rängen der Charts. Heute ist die Scheibe ein absoluter Klassiker. "Sei mal verliebt" ("Let's Do It), "Nichts haut mich um aber du" ("I Get A Kick Out Of You") und "Ich bin leider viel zu faul" sind aufgrund ihrer humorvollen, aber auch emotional-nachdenklichen Übertragungen unübertroffene deutsche Versionen aus dem American Songbook. Die Verbindung Hildegard Knefs zu Cole Porter war höchst konkreter Natur: 1955 ließ er sie 478 Vorstellungen in seinem Musical Silk Stockings am Broadway spielen. Aufnahmen aus dem Original-Broadway-Cast-Album sind dieser CD ebenfalls als Bonus-Tracks beigefügt und machen sie schon allein deswegen zu einer Rarität.
Eine Sensation ist auch, was aus den Lautsprechern tönt: Die Toningenieure haben sich dieser Aufnahmen mit besonderer Liebe und Sorgfalt angenommen -- eine Verbeugung vor der Kunst der Knef. Die Folge ist ein 71-minütiges, akustisches Hochgefühl, wie seit den ersten Tagen der Stereofonie auf schweren Vinylscheiben nicht mehr. Als Synonym dafür stand damals ein Logo mit golden züngelnden Blitzen, in dessen Zentrum der Name "Telefunken" zu lesen war. Schön zu wissen, dass es Traditionen gibt, die noch heute fortgeführt werden, wie diese Aufnahmen beweisen. Fans dürfen sich deshalb noch auf weitere Preziosen aus den Archiven freuen, darunter das Livealbum, Hildegard Knef In Concert.
Andreas Schultz
"kultur SPIEGEL" / CD "Schöner Hören", September 20002:
"Interessant sind Knefs Interpretationen von Cole-Porter-Songs." - "Wer 'Nana Mouskouri in New York' cool fand, wird diese Aufnahmen lieben."