Telefunken-Presse von 2001
"Musikexpress Nr. 7, Juli 2001":
DIE TELEFUNKEN-STORY
TELEFUNKEN / EASTWEST
Umfangreiche Retrospektive des Telefunken-Labels auf zwei CDs.
Seit Mitte der achtziger Jahre wurden auf dem Telefunken-Label keine Platten mehr veröffentlicht - das Repertoire schien nicht mehr zeitgemäß. 1988 wanderte der gesamte Telefunken-Decca-Katalog an die Warner Music Group. Das Label, auf dem Stars wie Hildegard Knef, Marlene Dietrich, Manuela, Michael Holm aber auch Beat-, Folk- und Rockpioniere wie The Boots, The City Preachers, Inga Rumpf, die Les Humphries Singers sowie Udo Lindenberg zu Hause waren, gehörte der Vergangenheit an. Erst vor wenigen Jahren ergriff eine Kultfigur des deutschen Rock die Initiative und überzeugte die Verantwortlichen davon, dass in den Archiven 70 Jahre Musikhistorie vor sich hin moderten. Wolfgang Michels (Percewood's Onagram) veröffentlichte längst gestrichene Schätze auf CD. Einen informativen Einblick über mittlerweile 50 Neuauflagen bietet die 2-CD-Kopplung DIE TELFUNKEN-STORY. Aufgeteilt in die Kategorien "Schlagerwahn & Evergreen" und "Beat" bzw. "Rock in Deutschland", geben 38 Acts auf 48 Tracks Nachhilfe in Sachen deutsche Kultur. Musikalische Gastarbeiter wie Caterina Valente und France Gall kommen ebenso zum Zug wie Kin Ping Meh, Satin Whale, Parzival, Gift, Message und Ton Steine Scherben. (mik)
Bewertung: *****
(Höchstwertung: ******)
"Musikexpress Nr. 6, Juni 2001":
THE LES HUMPHRIES SINGERS
Greatest Hits - Das Beste: The Original Single Versions
TELFUNKEN / EASTWEST
Eine amüsante Lehrstunde in Sachen Pop aus deutschen Landen.
Auf dem Höhepunkt der Jesus-Welle - die Edwin Hawkins Singers feierten mit "Oh Happy Day", Ex-Beatle mit "My Sweet Lord" weltweit Charterfolge - sannen auch Ex-Rattles-Sänger Henner Hoier und der in Hamburg gestrandete englische Keyboarder Les Humphries über einen adäquaten Beitrag nach. Wenig später starte ein zuerst nur als Trio geplantes Projekt, das zwischen 1971 und 1977 sage und schreibe 14 europaweite Hits verbuchen konnte. Der vielköpfige, aus aller Herren Länder stammende Chor, rekrutiert aus dem Hamburger "Hair"-Ensemble und der dortigen Studioszene, avancierte mit anfangs deutlich Gospel-inspiriertem ("Rock My Soul", "We Are Going Down Jordan", "Old Man Moses") zum internationalen Top Act. Permanente Fluktuation - als einer der ersten trennte sich Hoier - fügten, zumindest in der Frühphase, dem erfolgsorientierten Unternehmen keinen Schaden zu. Ersten Einbruch in Sachen Popularität erlitt die bunt gewürfelte Truppe, als der von der karibischen Insel St. Lucia stammende Publikumsliebling Malcom Magaron wegen angeblicher Starallüren samt Freundin Liz Mitchel, spätere Stimme von Boney M., von Humphries vor die Tür gesetzt wurde. Statt Gospel verlegte sich der Chor, dem auch der heutige "König von Mallorca", Jürgen Drews sowie der Brite John Lawton (Lucifer's Friend, Uriah Heep) angehörten, auf eher Pop/Rock-getrimmten Kurs mit Ohrwurmhymnen wie "Mexico", "Kansas City" und das dem Beach Boys-Evergreen "Barbara Ann" abgelauschte "Mama Loo". Ab Mitte der Siebziger war der hell leuchtende Stern am europäischen Popfirmament im Begriff zu sinken. Mit GREATEST HITS - DAS BESTE: THE ORIGINAL SINGLE VERSIONS liegt erstmals eine vernünftige Compilation vor. Diese bietet nicht nur zahlreiche Hits, sondern auch populäre B-Seiten, seltene Albumtracks sowie Les Humphries' Titelmelodie zum ZDF-Dauerbrenner "Derrick". Detaillierte Infos finden sich im Booklet: allen voran die erstmals namentlich komplett aufgelisteten Chormitglieder. (mik)
Bewertung: ***
(Höchstwertung: ******)
"Musikexpress Nr. 4, April 2001":
TON STEINE SCHERBEN
Auswahl I - Klassiker & Raritäten
Wiederveröffentlichung des einzigen Best-Of-Albums der Politrocker.
Exakt 30 Jahre nach Veröffentlichung der ersten Ton Steine Scherben-Platte WARUM GEHT ES MIR SO DRECKIG? und 20 Jahre nach der Erstveröffentlichung des einzigen "Best Of"-Zusammenschnitts AUSWAHL I hat Produzent Wolfgang Michels genau diese Compilation auf's Feinste digital remastered mit drei Extra-Titeln ("B-Seite", "Auf fremden Pfaden", "Dr. Sommer") angereichert und erneut in die Läden gebracht. Zusätzlich gibt es ein vorzügliches 16-Seiten-Booklet, das in Wort und Bild nochmals die Karriere der ersten und besten deutschen Agitpropper in Wort und Bild eindringlich Revue passieren lässt. Zu hören sind auf AUSWAHL I die zehn "Evergreens", für die Rio-Reiser und seine Band glühend geliebt und gnadenlos gehasst wurden, weil man sich über ihre Inhalte natürlich streiten kann, sie aber keinen einzigen Hörer kalt ließen: "Mein Name ist Mensch", "Macht kaputt, was Euch kaputt macht" oder "Keine Macht für niemand, um nur die wichtigsten zu nennen, sind hier in bester Qualität zu hören. Das ist infernalistischer Blues-Rock, scheppernd, laut, dilettantisch, leidenschaftlich, dazu Rios mal heiseres, mal schmeichelndes, mal sich überschlagendes Organ, das jedem Klassenkämpfer zur Ehre gereicht. Fazit: Auch 16 Jahre nach dem Ende der Scherben und 5 Jahren nach Rios Tod ist diese Musik aktuell und aufrüttelnd wie am ersten Tag. (mfg)
Bewertung: *****
(Höchstwertung: ******)